Ein Hersteller wirbt mit einem COP von 5,0, der nächste mit einem SCOP von 4,8, und im Beratungsgespräch fällt dann noch der Begriff JAZ. Wer sich mit Wärmepumpen beschäftigt, stößt zwangsläufig auf diese drei Kürzel, ohne dass meist erklärt wird, was sie wirklich bedeuten und warum die Werte so unterschiedlich ausfallen können. Dabei lässt sich der Unterschied schnell erklären, wenn man weiß, wofür jede der drei Kennzahlen tatsächlich steht.
Was diese Kennzahlen überhaupt messen
Alle drei Werte beschreiben im Kern dasselbe Prinzip: das Verhältnis zwischen der Wärme, die eine Wärmepumpe abgibt, und dem Strom, den sie dafür aufnimmt. Eine Wärmepumpe mit einer Kennzahl von 4 liefert aus einer Kilowattstunde Strom vier Kilowattstunden Wärme. Den Rest holt sie sich kostenlos aus der Umgebungsluft, dem Erdreich oder dem Grundwasser. Je höher der Wert, desto weniger Strom braucht die Anlage für dieselbe Menge Wärme.
Der Unterschied zwischen COP, SCOP und JAZ liegt nicht in der Formel, sondern darin, unter welchen Bedingungen und über welchen Zeitraum gemessen wird.
COP – die Momentaufnahme im Labor
Der COP (Coefficient of Performance, zu Deutsch Leistungszahl) beschreibt die Effizienz einer Wärmepumpe an genau einem einzigen Betriebspunkt. Gemessen wird nach der Norm EN 14511, meist bei einer festgelegten Kombination aus Außentemperatur und Vorlauftemperatur, zum Beispiel bei 2 Grad Außentemperatur und 35 Grad Vorlauf.
Das Problem dabei: Draußen ist es selten konstant 2 Grad. Ein Wert, der unter idealen Laborbedingungen an genau einem Punkt ermittelt wurde, sagt wenig darüber aus, wie sich eine Anlage im Januar bei Frost oder im milden Oktober verhält. Der COP eignet sich gut, um einzelne technische Betriebspunkte zu vergleichen. Für eine realistische Einschätzung der Jahreskosten reicht er allein aber nicht aus.
SCOP – der Blick aufs ganze Jahr
Genau hier setzt der SCOP an, die saisonale Leistungszahl. Statt eines einzelnen Punktes fließen mehrere Messungen bei unterschiedlichen Außentemperaturen ein, üblicherweise bei minus 10, minus 7, 2, 7 und 12 Grad. Diese Einzelwerte werden anschließend danach gewichtet, wie häufig die jeweilige Temperatur in einer durchschnittlichen Heizperiode tatsächlich vorkommt. Grundlage dafür ist die europäische Norm EN 14825.
Damit das Ergebnis vergleichbar bleibt, ist außerdem festgelegt, für welches Klima gerechnet wird. Für Deutschland gilt die mittlere Klimazone, orientiert am Referenzort Straßburg. Hersteller können zusätzlich ein wärmeres Profil für Athen und ein kälteres Profil für Helsinki angeben. Der SCOP steht auch auf dem EU-Energielabel und bildet die Grundlage für die Effizienzklasse einer Wärmepumpe. Er zeigt die Realität also deutlich besser als der COP, bleibt aber trotzdem ein Prüfwert für das reine Gerät, ermittelt unter Normbedingungen und ohne das konkrete Gebäude, in dem die Anlage später tatsächlich läuft.
Ein Beispiel aus der Praxis: Unsere One-Wärmepumpe erreicht in dieser Messung einen SCOP von ca. 5,58. Ein Wert, der zeigt, wie viel Spielraum moderne Geräte mit natürlichem Kältemittel inzwischen haben, und der gleichzeitig die Grundlage für eine gute Förderfähigkeit bildet.
JAZ – die Wahrheit aus der Praxis
Die Jahresarbeitszahl, kurz JAZ, ist die einzige der drei Kennzahlen, die nicht im Labor, sondern an der echten Anlage im echten Gebäude ermittelt wird. Sie setzt die tatsächlich abgegebene Wärmemenge über ein volles Jahr ins Verhältnis zum gemessenen Stromverbrauch, oft inklusive Warmwasserbereitung und dem Hilfsstrom für Pumpen und Regelung.
In die JAZ fließt damit alles ein, was der SCOP bewusst außen vor lässt: die Qualität der Dämmung, die tatsächliche Vorlauftemperatur des Heizsystems, das Nutzerverhalten, die konkrete Witterung vor Ort und ob die Anlage überhaupt sauber eingestellt ist. Zwei baugleiche Wärmepumpen können deshalb in zwei unterschiedlichen Häusern eine völlig unterschiedliche JAZ erreichen, obwohl auf dem Datenblatt beider Geräte derselbe SCOP steht.
Warum sich die Werte nicht einfach umrechnen lassen
Eine Frage, die in Beratungsgesprächen immer wieder aufkommt: Kann man nicht einfach vom SCOP auf die JAZ schließen, oder umgekehrt? Die ehrliche Antwort lautet nein. Beide Werte basieren auf unterschiedlichen Grundlagen. Der SCOP ist ein genormter Prüfwert für das einzelne Gerät, die JAZ ein Messwert für das gesamte System im laufenden Betrieb. In der Praxis liegt die tatsächliche JAZ meist etwas unter dem SCOP-Wert vom Datenblatt, weil reale Gebäude selten exakt den Normbedingungen entsprechen. Wie groß der Abstand ausfällt, hängt stark von der Anlagenplanung ab. Aber auch der hydraulische Abgleich und die richtig (oder falsch) eingestellte Heizkurve spielen eine Rolle.
Welche Werte für Sie als Käufer wirklich zählen
Für die Kaufentscheidung lohnt sich zunächst ein Blick auf den SCOP, weil er Geräte verschiedener Hersteller unter denselben Bedingungen vergleichbar macht und über die Förderfähigkeit mitentscheidet. Als grobe Orientierung gelten SCOP-Werte ab etwa 4 als gut, besonders effiziente Luft-Wasser-Wärmepumpen erreichen heute Werte über 5. Für die tatsächlichen Betriebskosten im eigenen Zuhause ist am Ende aber die JAZ entscheidend. Und die hängt eben nicht nur vom Gerät ab, sondern maßgeblich von einer sauberen Planung und Auslegung der gesamten Anlage.
Genau deshalb lohnt es sich, bei der Auswahl nicht nur auf eine einzelne Zahl zu schauen, sondern auf das Zusammenspiel aus effizienter Technik und fachgerechter Installation zu achten.
Fazit
COP, SCOP und JAZ beantworten letztlich dieselbe Frage aus drei verschiedenen Blickwinkeln: Wie viel Wärme bekommt man für wie viel Strom? Der COP zeigt einen einzelnen Betriebspunkt, der SCOP eine ganze Heizsaison unter Normbedingungen, und die JAZ zeigt, was am Ende tatsächlich im eigenen Haus ankommt. Wer diese drei Werte einordnen kann, liest Datenblätter künftig mit deutlich mehr Durchblick und lässt sich von einer einzelnen hohen Zahl allein nicht mehr blenden.
